Zugewinn2018-01-05T13:49:42+01:00

Zugewinn

Was passiert mit dem gemeinsam erwirtschafteten Vermögen während der Ehe?

Eheleute leben im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft, sofern sie nicht vor oder während bestehender Ehe eine anderweitige Regelung getroffen haben. Im Falle einer Scheidung kann jeder Ehegatte von dem anderen verlangen, dass der während der Ehezeit erworbene Vermögenszuwachs (Zugewinn) entsprechend geteilt wird. Bis auf wenige Ausnahmen, wie z. B. Schenkungen oder Erbschaften, wird im Rahmen des Zugewinnausgleichs jeglicher Vermögenszuwachs während der Ehezeit zwischen den Ehegatten ausgeglichen. Der Ehepartner, der den höheren Zugewinn erzielt hat, schuldet dem anderen Ehegatten die Hälfte der Differenz als Zugewinnausgleich. Zur Ermittlung des Zugewinns gilt das sogenannte Stichtagsprinzip, d.h. das Anfangsvermögen beider Ehegatten (Vermögen zum Zeitpunkt der standesamtlichen Heirat) ist dem Endvermögen der Ehegatten (Zeitpunkt der förmlichen Zustellung des Scheidungsantrages an den anderen Ehepartner) gegenüberzustellen.

So einfach das Prinzip des Zugewinnausgleichs auf den ersten Blick erscheint, so schwierig sind oftmals die Detailfragen in der Praxis. Insbesondere über die Höhe der jeweiligen Vermögenswerte zu den jeweiligen Stichtagen lässt sich vortrefflich streiten. Können sich die Beteiligten nicht einigen, sind oftmals kostspielige und langwierige Verfahren unter Einschaltung von Sachverständigengutachtern die Folge.

Des Weiteren können neben dem Zugewinnausgleich schuld- und sachenrechtliche Ausgleichsansprüche aus Gemeinschaften, Gesellschaften oder Gesamtschuldnerausgleich etc. bestehen, z. B. aus einer Miteigentümergemeinschaft der Ehepartner an einer Eigentumswohnung oder aus gesamtschuldnerischer Haftung wegen eines gemeinsamen Immobilienkredites. In einem Ehevertrag bzw. einer Trennungs- bzw. Scheidungsfolgenvereinbarung können hierzu entsprechende Vereinbarungen getroffen werden. Dadurch können oftmals sehr kostspielige und nicht zuletzt nervenaufreibende langwierige Gerichtsverfahren vermieden werden.

Fragen und Antworten:

Hat der Trennungszeitpunkt Einfluss auf den Zugewinn?2017-07-12T14:01:40+02:00

Seit der Familienrechtsreform zum 01.09.2009 gibt es einen weiteren Stichtag, nämlich den Tag der Trennung der Eheleute, der für die Ermittlung des Zugewinns besondere Bedeutung erlangen kann. Für die güterrechtliche Auseinandersetzung der Eheleute ist daher der Trennungszeitpunkt durchaus von Relevanz und sollte stets nachweisbar schriftlich dokumentiert werden. Die Vermögenslage am Tag der Trennung kann nach neuer Rechtslage den Zugewinnausgleichsanspruch des anderen Ehegatten erheblich beeinflussen. Der Stichtag des Trennungszeitpunktes ist insbesondere dann von Bedeutung, wenn Vermögen des vermeintlich ausgleichspflichtigen Partners während des Trennungsjahres verschoben wird und es zu einem Vermögensschwund kommt, der sich weder vernünftig erklären lässt noch dokumentiert werden kann. Zwar ist zur Ermittlung des Endvermögens weiterhin die förmliche Zustellung des Scheidungsantrages an den anderen Ehepartner maßgeblich, lässt sich aber ein nicht erklärbarer Vermögensschwund seit dem Trennungsjahr erkennen, so läuft der ausgleichspflichtige Ehepartner Gefahr, dass der (deutlich höhere) Vermögensstand am Tag der Trennung für die Ermittlung des Zugewinns maßgeblich ist. Daher ist es ratsam, den Trennungszeitpunkt sauber zu dokumentieren und darüber hinaus größere Vermögensabflüsse gut zu dokumentieren; diese Ausgaben müssen sich zudem als vernünftig einstufen lassen.

Haben Sie Fragen zu dem Thema Zugewinn und/ oder vermögensrechtliche Auseinandersetzung, können Sie uns jederzeit kontaktieren. In einem ausführlichen Beratungsgespräch stehen wir Ihnen gerne zur Seite und entwickeln gemeinsam mit Ihnen eine Strategie, gegebenenfalls unter Hinzuziehung externer Sachverständiger, bzgl. des weiteren Vorgehens.