Sorge- und Umgangsrecht2018-01-05T14:01:27+01:00

Sorge- und Umgangsrecht

Was passiert im Falle einer Trennung oder Scheidung mit den Kindern?

Sind Eltern miteinander verheiratet, so üben sie das gemeinsame Sorgerecht für die Kinder aus. Die elterliche Sorge umfasst dabei sowohl die Personensorge als auch die Vermögenssorge, vgl. § 1626 Abs. 1 BGB. Trennen sich die Eltern oder lassen diese sich scheiden, so hat dies grundsätzlich keine Auswirkungen auf das gemeinsame Sorgerecht. Auch nach der Scheidung üben beide Elternteile weiterhin die gemeinsame Sorge aus. Derjenige Elternteil, bei dem sich das Kind im Trennungsfall gerade aufhält, entscheidet alle Angelegenheiten des täglichen Lebens, sog. Alleinentscheidungsbefugnis. Hingegen werden beim gemeinsamen Sorgerecht Angelegenheiten von erheblicher Bedeutung für das Kind auch weiterhin von beiden Elternteilen gemeinsam entschieden. Unter Angelegenheiten von erheblicher Bedeutung sind insbesondere solche Angelegenheiten zu verstehen, welche für die Entwicklung des Kindes richtungsweisend sind und weitreichende, im Nachgang nur schwer abzuändernde Folgen (wie z. B. ärztliche operative Eingriffe, Einschulung, Religion etc.) haben. Sofern Sie eine einvernehmliche Scheidung wünschen, ist es notwendig, dass Sie sich mit Ihrem Partner über das gemeinsame Sorgerecht einig sind. Unterstützung finden Eltern diesbezüglich bei den Beratungsstellen der Jugendämter, die Eltern unentgeltlich zu Themen wie Sorgerecht, Umgangsrecht oder Kindesunterhalt beraten.

Fragen und Antworten:

Wie verhält es sich bei nichtehelichen Kindern?2017-07-12T14:01:59+02:00

Bei nicht miteinander verheirateten Eltern, hat die Mutter des Kindes nach § 1626 a Abs. 2 BGB das alleinige Sorgerecht, es sei denn, beide Elternteile haben nachträglich die Ehe miteinander geschlossen oder eine gemeinsame Sorgeerklärung abgegeben. Dabei kann die Sorgeerklärung beim zuständigen Jugendamt oder bei einem Notar abgegeben werden. Die Erklärung kann bereits vor der Geburt des Kindes erfolgen, § 1626 b BGB.Stimmt die Kindesmutter einer gemeinsamen elterlichen Sorge ohne erkennbaren Grund nicht zu, hat der biologische Vater unter bestimmten gesetzlichen Voraussetzungen die Möglichkeit, das gemeinsame Sorgerecht vor dem zuständigen Familiengericht zu beantragen.  Das gemeinsame Sorgerecht setzt stets ein gewisses Mindestmaß an Kooperations- und Kommunikationsbereitschaft im Hinblick auf das gemeinsame Kind voraus. Liegen die gesetzlichen Voraussetzungen für das gemeinsame Sorgerecht vor, wird die verweigerte Zustimmungserklärung der Kindesmutter durch gerichtlichen Beschluss ersetzt.

Bei wem sollen die Kinder zukünftig leben?2017-07-12T14:02:23+02:00

Im Trennungsfall stellt sich für viele Paare immer wieder die Frage, bei wem das gemeinsame Kind bzw. die gemeinsamen Kinder zukünftig leben sollen; sog. Aufenthaltsbestimmungsrecht. Im Interesse der Kinder sollten die Eltern immer versuchen, eine gemeinsame Lösung auf außergerichtlichem Wege zu finden, um die Kinder mit der ohnehin für sie emotional sehr schwierigen Trennungssituation der Eltern nicht noch mehr zu belasten. Können sich die Eltern auf außergerichtlichem Wege über das Aufenthaltsbestimmungsrecht dennoch nicht verständigen, muss eine gerichtliche Entscheidung herbeigeführt werden. Diese Entscheidung berührt das gemeinsame Sorgerecht im Übrigen nicht, da das Aufenthaltsbestimmungsrecht nur einen Teilbereich der elterlichen Sorge darstellt. Die Entscheidung des Gerichts über den weiteren Aufenthalt der Kinder orientiert sich dabei ausschließlich am Kindeswohl und wird anhand von verschiedenen Kriterien, wie z.B. dem Kontinuitätsgrundsatz, der Bindungstoleranz der Eltern, Erziehungsfähigkeit beider Elternteile, Geschwisterbindung, Förderungsprinzip und letztlich dem (nicht manipulierten) Willen des Kindes, ggf. durch Einholung eines Sachverständigengutachtens beurteilt.

Kann ich auch das alleinige Sorgerecht beantragen?2017-07-12T14:02:43+02:00

Auf Antrag eines oder beider Elternteile kann das zuständige Familiengericht die Übertragung der alleinigen elterlichen Sorge oder eines Teils der elterlichen Sorge auf einen Elternteil übertragen, soweit dies dem Kindeswohl entspricht. Eine Übertragung der alleinigen elterlichen Sorge kommt nur unter besonderen Umständen in Betracht. Unproblematisch sind i.d.R. die Fälle, in denen ein Elternteil der Übertragung der alleinigen elterlichen Sorge auf den anderen Elternteil zustimmt, vorausgesetzt, das Kind, welches das 14. Lebensjahr bereits vollendet hat, widerspricht dem Antrag nicht. Eine Übertragung des alleinigen Sorgerechts kommt ferner in Betracht, wenn zu erwarten ist, dass die Aufhebung der gemeinsamen elterlichen Sorge und die Übertragung der Alleinsorge auf die antragstellende Partei dem Wohl des Kindes am ehesten entspricht. Das Gericht hat sich bei seiner Entscheidung ausschließlich am Kindeswohl zu orientieren. Diese Kindeswohl-Prinzipien (z. B. Bindungstoleranz der Eltern, Kontinuitätsgrundsatz, Erziehungsfähigkeit, Geschwisterbindung, Förderungsprinzip sowie der Wille des Kindes) beeinflussen das gesamte Familienrecht und sind bei der Entscheidung des Gerichts hinreichend zu berücksichtigen und entsprechend zu würdigen.

Wann und in welchem Umfang kann ich mein Kind sehen?2017-07-12T14:03:02+02:00

Der Elternteil, bei dem das Kind nicht lebt, hat sowohl das Recht als auch die Pflicht, regelmäßigen Umgang mit dem gemeinsamen Kind auszuüben. Das Umgangsrecht darf weder von dem anderen Elternteil unterbunden werden, noch darf die Ausübung des Umgangsrechts von Unterhaltszahlungen o. ä. Forderungen abhängig gemacht werden. Die Eltern haben zum Wohl des Kindes alles zu unterlassen, was das Verhältnis zu dem anderen Elternteil negativ beeinflussen oder erschweren könnte; vielmehr sollte der Umgang zum anderen Elternteil stets gefördert werden (sog. Bindungstoleranz). Streitigkeiten zwischen den Eltern berühren ausschließlich die Paarebene und nicht die Elternebene und sollten daher nicht vor dem Kind ausgetragen werden. Kinder haben das Recht auf beide Elternteile; trotz Trennungsschmerz muss das Kind beide Eltern gleich liebhaben dürfen, ohne dem jeweils anderen Elternteil mit Schuldgefühlen zu begegnen. In welchem Umfang das Umgangsrecht des anderen Elternteils mit dem Kind konkret ausgeübt wird, ist von der jeweiligen Lebenssituation der Eltern abhängig und daher von Fall zu Fall zu entscheiden.